Aktionsbündnis für Demokratiestärkung und Antirassismus (a.d.a.)

Introduction

ADA-NEWSLETTER 2019/01 – JAHRESRÜCKBLICK

ADA-NEWSLETTER 2019/01 – JAHRESRÜCKBLICK

ADA-NEWSLETTER 2019/01 – JAHRESRÜCKBLICK

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Akteurinnen und Akteure für ein demokratisches Miteinander,

es ist die richtige Zeit für einen Rückblick ins vergangene Jahr. Dieses war gefüllt von zahlreichen Aktivitäten und Veranstaltungen. Das Aktionsbündnis zur Demokratiestärkung und Antirassismus a.d.a. hat inzwischen Fuß gefasst und gewinnt zunehmend an Bekanntheit im Rhein-Erft-Kreis. Die Arbeit mit den Kooperationspartnern erwies sich als konstruktiv, erfolgreich und menschlich.

An dieser Stelle gibt es ein großes DANKESCHÖN!

In diesem Newsletter finden Sie – ohne Anspruch auf Vollständigkeit –einen Rückblick über die Aktivitäten aus 2018
– des Aktionsbündnisses zur Demokratiestärkung und Antirassismus a.d.a.,
– weiterer Initiatoren im Rhein-Erft-Kreis
sowie einen zusammenfassenden Bericht über DIE RECHTE – KV Rhein-Erft im vierten Quartal 2018.

Die begonnene Arbeit wird in 2019 fortgesetzt. Einige Veranstaltungen werden fortgeführt, neue Formate hinzugefügt. Mit Ihrer Unterstützung kann das Aktionsbündnis weiter ausgebaut und gestärkt werden. Leiten Sie unseren Newsletter gern weiter. Realisieren Sie Ihre eigenen Projekte mit dem Aktions- und Initiativfond. Oder sprechen Sie uns einfach an!

Und vorab noch vier Veranstaltungshinweise:
Für die Quellen folgen Sie den Verlinkungen

Ausstellung „MehrWert? GleichWert!“ beim LVR
Schau von Holla e.V. bis 25. März im LVR-Landeshaus zu sehen / Fotos und Geschichten von Mädchen und Frauen hinterfragen Klischees und Vorurteile / Eintritt frei

Köln, seit 25. Februar 2019. Die Ausstellung „MehrWert? GleichWert!“ wird für einen Monat im Landeshaus des Landschaftsverband Rheinland (LVR) zu sehen sein. Gezeigt werden Fotografien und Geschichten von Mädchen und Frauen unterschiedlicher Identitäten und Lebensentwürfe. Mit dem provokanten Titel spielt die Ausstellung ganz bewusst mit gesellschaftlichen Vorurteilen und medial geprägten Klischees und regt die Ausstellungsgäste zum Denken an. Die Ausstellungsmacherinnen vom Verein Holla wollen mit der Schau Körperbildnormierungen, Klischees und Vorurteile aufdecken und hinterfragen. Auf Augenhöhe stellen die Mädchen und Frauen auf den Bildern verschiedenste Charaktere mit vielfältigen Biographien dar. Das Ziel ist es, Privilegien und Diskriminierungen sichtbar zu machen und aktiv zu hinterfragen. Die Botschaft: Unterschiede bereichern unsere Gesellschaft und machen sie erst zu einem bunten und vielfältigen Ort. Bis zum 25. März können sich Besucherinnen und Besucher von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr die Ausstellung im Foyer des LVR-Landeshauses (Kennedy-Ufer 2 in Köln-Deutz) anschauen. Der Eintritt ist frei.

Weitere Informationen finden Sie hier: MehrWert? GleichWert!

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Noch wenige Plätze frei: 8. Weiterbildungsreihe Plan P. – Jugend stark machen gegen salafistische Radikalisierung – Start am 07./08.03.2019 in Köln

Der Salafismus bildet seit einigen Jahren den Ausgangspunkt einer zwar kleinen, aber schnell wachsenden Jugendsubkultur in Deutschland. Die salafistische Szene ist dabei keineswegs homogen, sie umfasst sowohl apolitische wie politische, gewaltlose wie militante Anhänger, jeweils mit sehr unterschiedlicher politischer Brisanz und Konfliktpotential. Salafismus und Terrorismus sind also nicht deckungsgleich – gerade unter Jugendlichen, die Grenzen austesten, provozieren und sich abgrenzen wollen. Sehr wohl aber bietet der Teil der salafistischen Szene, der politisch agiert, jihadistischen Gruppen einen Rekrutierungspool. Dieses Spannungsfeld stellt Fachkräfte der Jugendhilfe vor große Herausforderungen; viele sind unsicher, wie zwischen radikalem und nicht radikalem Gedankengut, gefährlichen und nicht gefährlichen Einstellungen zu unterscheiden ist.

Bei Interesse bitte baldmöglichst anmelden unter  Weiterbildung Plan P
Die Teilnahme ist kostenlos.

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GIVE – Gesellschaft für Interkulturelle Verständigung e.V. und Kooperationspartner laden ein: Jihadromantik – Was zieht Junge Menschen in den religiös begründeten Extremismus.

Der Salafismus ist die am stärksten wachsende extremistische Gruppe in Deutschland. Eine völlig neue Herausforderung für Eltern, Lehrer und Beschäftigte in Jugendhilfe und Sozialarbeit. Was sind jedoch Phänomene des Salafismus und religiös begründete Menschenfeindlichkeit?
Auf diese und weitere Fragen sollen im Laufe des Vortrags am 02.03.2019 in Kerpen Antworten gegeben und gleichzeitig Diskussionsanstöße ermöglicht werden.
Weitere Informationen finden Sie hier: Einladung Jihadromantik

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Wessen Erinnerung? Erinnern und Gedenken in der MigrationsgesellschaftVortrag und Diskussion, Donnerstag, 7. März 2019, 19 Uhr, EL-DE-Haus

Die Verbrechen des Nationalsozialismus markieren einen einmaligen Zivilisationsbruch. Die gezielte, minutiös organisierte Ermordung der Juden und Jüdinnen Europas sowie der Sinti und Roma ist mit keinem Ereignis in der Menschheitsgeschichte vergleichbar. Das Ziel und die Verantwortung der Weltgemeinschaft, insbesondere der deutschen Gesellschaft, kann daher unmissverständlich formuliert werden: Nie wieder!
Wie aber können wir in dieses „Nie wieder!“ verschiedene Perspektiven einbringen – ohne den Holocaust, aber auch das Leid aus anderen Kontexten zu relativieren? Welche Vielfalt der Narrative prägt das Gedenken in Deutschland? Und warum ist es gefährlich, das Gedenken für deutsche Identitätspolitik und Rechtspopulismus zu instrumentalisieren?

Der Buchautor und Journalist Mohamed Amjahid diskutiert mit dem Publikum über die Vorstellung eines angeblich „importierten Antisemitismus“, über „Erinnerungsüberlegenheit“ und wie Gedenken in pluralen Gesellschaften über Grenzen hinweg funktionieren kann.
Eintritt: 4,50 Euro, erm. 2 Euro
Ort: NS-Dokumentationszentrum, Appellhofplatz 23 – 25, 50667 Köln
www.facebook.com/events/848535062145084/

Mit den besten Grüßen
a.d.a.

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Rückblick 2018 – Aktionsbündnis zur Demokratiestärkung und Antirassismus a.d.a.

Bücher spenden Haltung

Im Januar übergab das Aktionsbündnis für Demokratiestärkung und Antirassismus (a.d.a.) in der Stadtbibliothek Bergheim unter dem Motto „Bücher spenden Haltung“ eine Bücher-Spende an alle Büchereien im Rhein-Erft-Kreis zu den Themen extreme Rechte und Rassismus. Diese Bücherspende finanzierte das Land NRW über das Programm NRWeltoffen, um damit einen Beitrag zur Sensibilisierung und Stärkung der Zivilgesellschaft zu leisten. Mit der offiziellen Übergabe des Bücher-Pakets an die Stadtbibliothek Bergheim wurde die Spende auch an alle weiteren neun Kommunen des Rhein-Erft-Kreises vergeben. Die Stadtbüchereien hatten vorab die Möglichkeit, sich aus einer von a.d.a. erstellten Vorschlagsliste ihr Bücher-Paket frei zusammenzustellen. Es enthält Titel verschiedener Kinderbücher, Sachbücher und historisch-politischer Romane.

 

NSU-Monologe

Im Rahmen der Internationalen Tage gegen Rassismus fand im März von der Bühne für Menschenrechte die Aufführung NSU-Monologe in Kerpen-Horrem statt. Vier Kölner Schauspieler*innen und ein Gitarrist schilderten mit Originalaussagen der Hinterbliebenen der NSU-Anschläge eingehend die Hilflosigkeit und Enttäuschung, als diese selbst als Verdächtige ins Kreuzfeuer der Ermittlungen gerieten. Die Aufführung verdeutlichte den Hass und den Rassismus, die den Hinterbliebenen entgegen gebracht wurde. Thematisch abgerundet wurde der Abend in einer Publikumsdiskussion mit dem Aktivisten Kutlu Yurtseven und Peter Bach von der Initiative „Keupstraße ist überall“.

 

Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Das Schulzentrum Bedburg und die Gesamtschule Elsdorf gehören zu den insgesamt 18 Schulen im Rhein-Erft-Kreis, die bis zum Jahresende 2018 Mitglied im bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sind. Zwei weitere Schulen befinden sich derzeit im Zertifizierungsprozess.

Das Kommunale Integrationszentrum (KI) des Rhein-Erft-Kreises betreut mit fachlicher Unterstützung der Koordinierungs- und Fachstelle des Aktionsbündnisses für Demokratiestärkung und Antirassismus (a.d.a.) die lokalen Netzwerke an den Schulen im Kreisgebiet und begleitet den damit verbundenen Zertifizierungsprozess der Schulen. Ein Bestandteil dieser Betreuung besteht in der Ausrichtung von Arbeitstreffen der beteiligten Schulen, bei denen diese sich über bestehende und zukünftige Projekte austauschen können und Fachwissen vermittelt wird.

 

Fachtagungsreihe: Interkulturalität im Elementarbereich und Netzwerk

Nach der erfolgreichen Auftaktveranstaltung in Juni zum Thema „Rassimuskritische Bildung im Elementarbereich“ fand im November die 2. Fachtagung zur „Interkulturellen Pädagogik“ statt.  Die hohe Zahl an Teilnehmenden bei beiden Veranstaltungen zeigte den Bedarf an Informationen zu diesem Themenfeld.  Neben der Vermittlung von theoretischem Grundlagenwissen boten die Fachtage den Teilnehmenden  die Möglichkeit zur Selbstreflexion und zur Erarbeitung von Strategien für den eigenen beruflichen Alltag.

Parallel zu den Fachtagen entstand ein Netzwerk, das eigenständig dieses Themenfeld auch 2019 bearbeitet.

 

Jugendforum & Barcamp

Das im September ins Leben gerufene Jugendforum organisierte innerhalb weniger Wochen das erste Jugendbarcamp im Rhein-Erft-Kreis. Unter dem Motto „Ohne Angst verschieden sein“ widmete sich die Veranstaltung dem Thema von Rassismus und Diskriminierung. Als special guests auf dem Jugendbarcamp boten der Rapper Eko Fresh und der Youtuber Kirkity jeweils eine Session an. Das Ergebnis des Tages war bei den Jugendlichen einstimmig: es wird 2019 ein weiteres Jugendbarcamp geben und dieses wird noch größer!

 

Demokratiekonferenz

Im September fand die 2. Demokratie Konferenz für den Rhein-Erft-Kreis im Max Ernst Museum in Brühl statt. Auf der Konferenz trafen sich etwa 60 Akteur*innen aus dem Bereich Politik und Verwaltung, Bildung und Erziehung sowie interessierte Bürger*innen und Initiativen, um sich zu informieren und auszutauschen. Den Auftakt zum inhaltlichen Teil machte der Publizist und politische Bildner Richard Gebhardt. In einer dezidierten Analyse stellte er die Ideologie und Akteure der so genannten „Neuen“ Rechten dar.

Im zweiten Fachvortrag der Veranstaltung befasste sich Jan Rathje von der Amadeu-Antonio-Stiftung aus Berlin mit „Reichsbürgern“ die insbesondere die Behörden immer wieder vor große Herausforderungen stellen. Darüber hinaus verwies er auf die zahlreichen Schnittmengen zu Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Ein besonderes Augenmerk lag anschließend auf der Weiterentwicklung des Konzepts für die strategische Ausgestaltung der „Partnerschaft für Demokratie“.

 

„Rechter Hass und rassistische Hetze? Nicht mit uns! Für einen solidarischen Rhein-Erft-Kreis“

Die Fortbildungsreihe für pädagogische Fachkräfte aus Schule, Sozialer Arbeit, Vereinsarbeit und Erwachsenenbildung sensibilisierte in Bergheim die Teilnehmenden für die Themen Rassismus und Diskriminierung und bot Vorschläge für einen konstruktiven Umgang mit rechten Sprüchen und Parolen im pädagogischen Kontext. Es bestehen bereits Pläne dieses Format in 2019 im Kerpen anzubieten.

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Rückblick 2018 – Aktivitäten weiterer Initiatoren im Rhein-Erft-Kreis

Für die Quellen folgen Sie den Verlinkungen

2017/2018, Grundschule Bergheim – Biographiewerkstatt zum Thema „Flucht und Migration mit Jugendlichen und NS-Verfolgten“ vom Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e.V.. Die Biografiewerkstatt bringt junge Menschen mit und ohne Migrations- bzw. Fluchthintergrund und Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung zusammen. Weitere Informationen lesen Sie hier nach: nsberatung.de/index.php/de/biografieprojekt

April 2018, Kerpen – Der Preisträger des bundesweiten Wettbewerbs „aktiv für Demokratie und Toleranz“ aus 2017 des „Bündnisses für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ der Bundesministerien des Inneren und der Justiz wurden geehrte. Preisträger war u.a. die Initiative „Auch WIR sind Sindorf“ mit dem Projekt: „Nachbarschaft zum Erhalt und der Förderung von gelebter Integration“. Weitere Informationen finden Sie unter : auch-wir-sind-sindorf.de

April 2018, Kerpen – Spontane Gegendemonstration der AWO-Freund*innen des OV Kerpen und engagierter Bürger*innen gegen eine Demonstration der Partei Die Rechten vor dem Kerpener Rathaus. Quelle: facebook.com/AWO Regionalverband Rhein-Erft und Euskirchen e.V.

Oktober 2018, Brühl – Aktion Brühl als antifaschistischer Arbeitskreis veranstaltet diverse Proteste gegen AfD und rechtsextreme Gruppierungen. Quelle: facebook.com/Aktion Brühl

Oktober 2018, Kerpen – Fest der Kulturen. Weitere Informationen finden Sie unter www.vielfalt-der-kulturen.de

Oktober 2018, Bergheim – Aktion in Bergheim Mitte der SPD-Bergheim zur Unkenntlichmachung von Hakenkreuzen und SS-Zeichen an Sitzbänken, Mülltonnen, Brückengeländern und Bäumen. Quelle: facebook.com/SpdBergheim/

November 2018, Brühl –  Schweigegang 2018 der Brühler Initiative zur Völkerverständigung, Gruppe Pax Christi und der Stadt Brühl. Quelle: facebook.com/Brühler Initiative für Völkerverständigung

November 2018, Hürth – Hürth bleibt bunt veranstaltet eine Demonstration für Weltoffenheit und Toleranz, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.
Quelle: huerth-bleibt-bunt.de/

Dezember 2018, Kerpen – Europaschule, Gymnasium der Stadt Kerpen eröffnet die Ausstellung zum Thema „Wir sind Europa – Zukunft gestalten“. Inhalt: Vielfältigkeit der Kultur der Roma als Teil Europas sowie Dokumentation ihrer Lebensumstände. Weitere Informationen finden Sie unter: gymnasium-kerpen.eu/Auch-wir-sind-europa

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Zusammenfassender Bericht über DIE RECHTE – KV Rhein-Erft im vierten Quartal 2018

Insgesamt war der Kreisverband der Partei DIE RECHTE im Rhein-Erft-Kreis immer mal wieder mit „Infoständen“ in verschiedenen Kommunen aktiv, um Unterschriften für den Europawahlantritt der inhaftierten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck zu sammeln.  Darüber hinaus gab es mehrere Demonstrationen an denen Neonazis aus dem Rhein-Erft-Kreis teilnahmen. Insgesamt fällt auf, dass DIE RECHTE KV Rhein-Erft und insbesondere ihr Vorsitzender Markus Walter verstärkt die Öffentlichkeit suchten und dass dieser Wert darauf legte auch szeneintern wahrgenommen zu werden. So trat er bei einer Großdemonstration mit einem Redebeitrag auf und zeigte sich auf Fotos im Nachgang verschiedener Veranstaltung stets in Gesellschaft von bundesweit bekannten Neonazi-Kadern.

Den „[…] den Kampf um die Straße und den Kampf um die Köpfe zu flankieren […]“.

Seit dem 27. Oktober 2018 besteht der Kreisverband DIE RECHTE Rhein-Erft seit über sechs Jahren.  Zu diesem Anlass verfasste der Kreisverband einen Beitrag, in dem Fragmente ihres Selbstverständnisses und ihrer inhaltlichen Ausrichtung deutlich werden. So möchte der Kreisverband nach eigenen Angaben eine gesamtgesellschaftliche Offensive gegen den „links-grünen Zeitgeist“ organisieren. Zu diesem Zweck möchten sie nach eigenen Angaben die „bürgerliche Rechte“ mit dem extrem rechten Spektrum zusammenbringen.

Darüber hinaus sind sie bei der Partei DIE RECHTE der Meinung, dass sie im Rhein-Erft-Kreis politische Arbeit in einem schwierigen Umfeld leisten, weil es sich um einen wirtschaftlich starken Standort handele. Den Menschen im Kreis gehe es also zu gut und sie sehen ihre Zielgruppe klar bei Menschen, die sich in prekären Lebensverhältnissen befinden. Darüber hinaus beschreibt der Kreisverband sich selbst als Bindeglied zwischen älteren Personen, die die Ereignisse des historischen Nationalsozialismus leugnen bzw. relativieren und jungen extrem rechten Kadern. Diesem Selbstbild entsprechend möchte der Kreisverband in Zukunft  weiterhin Vortragsveranstaltungen und Schulungen organisieren.  Die Fortführung des Engagements des Kreisvorsitzenden Markus Walter für inhaftierte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck, passt ebenfalls in dieses Bild.

Zudem habe die Partei die Kommunalwahlen 2020 vor Augen. Diese sehe sie als Möglichkeit den „[…] den Kampf um die Straße und den Kampf um die Köpfe zu flankieren […]“. Gleichzeitig fassen Sie zusammen, dass es im Rhein-Erft-Kreis keine Aktivitäten mehr gegen ihre neonazistischen Umtriebe gebe.

 „Geburtstagsdemonstration“ und ein geschichtsrevisionistischer Trauermarsch

Als enger Vertrauter der inhaftierten Ursula Haverbeck hat Markus Walter am 10. November 2018 in Bielefeld bei einer Großdemonstration zu Ehren des 90. Geburtstags eben dieser, ein Grußwort der Holocaust- Leugnerin aus dem Gefängnis verlesen. In diesem beklagt sie das „Ende der Gerechtigkeit“, sicherlich auch, weil sie aufgrund des Paragraphen § 130 StGB verurteilt und inhaftiert wurde. Dieser stellt u.a. das Leugnen des Holocausts unter Strafe. Nach Angaben der Behörden nahmen an dieser Demonstration insgesamt etwa 400 Personen aus der extrem rechten Szene teil. An verschiedenen Gegenkundgebungen und –aktionen in der Stadt beteiligten sich insgesamt etwa 6.000 Personen.

Am 17. November 2018 fand bereits zum zehnten Mal ein „Trauermarsch“ im Remagen statt, bei dem Neonazis aus ganz Deutschland Wehrmachtssoldaten „gedenken“, die nach dem zweiten Weltkrieg in den so genannten Rheinwiesenlagen umgekommen sind. Eben diese Kontinuität und dass der Trauermarsch trotz Gegenprotesten und einer fingierten Bombendrohung entlang der Marschroute stattfinden konnte, wird in der extrem rechten Szene als Erfolg bewertet.

Die Gefangenenlager wurden durch die Alliierten entlang des Rheins eingerichtet,  um die vielen deutschen Kriegsgefangenen nach dem zweiten Weltkrieg unterzubringen. Seriöse Angaben zu umgekommenen Gefangenen schwanken zwischen 5.000 – 40.000 in allen 20 Lagern, während in extrem rechten Kreisen zum Teil von über einer Millionen Toten und einem Genozid an Deutschen die Rede ist. Die Überhöhung der deutschen Opferzahlen ist als Teil des geschichtsrevisionistischen Umgangs der extrem rechten Szene mit den historischen Ereignissen des Nationalsozialismus zu betrachten. Ziel dieser Deutung ist es, den historischen Nationalsozialismus in ein positives Licht zu rücken, Täter*innen als Opfer zu inszenieren, die Verbrechen des NS-Regimes zu relativeren und die eigene politische Position zu entlasten. Geschichtsrevisionismus ist ein wesentlicher Bestandteil extrem rechter Ideologie.

So war unter anderem auf Neonazi-Bannern „Rheinwiesenlager. Eine Millionen rufen zur Tat“ und „Kein vergeben, kein Vergessen“ zu lesen. Die Delegation aus dem Rhein-Erft-Kreis trug einen Banner mit der Aufschrift „Besitz stirbt, Sippen sterben, du selbst stirbst wie sie; eins weiß ich, das ewig lebt: Den Toten Tatenruhm.“ vor sich her. Im beschrieben Zusammenhang wird damit positiv Bezug auf die Verbrechen der deutschen Wehrmacht genommen wird. Begleitet wurde die Delegation aus dem Rhein-Erft-Kreis u.a. von führenden Neonazi-Kadern aus Dortmund.

So ist auch die „Gräberpflege“ durch Neonazis auf verschiedenen Friedhöfen im Kreis zu einzuordnen. DIE RECHTE KV Rhein-Erft am will Tag nach dem Trauermarsch, dem 18. November 2018, Gräber von Wehrmachtssoldaten im Rhein-Erft-Kreis gepflegt und mit Grabkerzen bestückt haben, die den Schriftzug „Ihr für uns – Wir für euch!“ Tragen.

Parteiformalitäten und geselliges Miteinander

Am 05. Dezember 2018 führte DIE RECHTE Rhein-Erft nach eigenen Angaben ihren Kreisparteitag durch, bei dem der Kreisvorsitzende Markus Walter in seinem Amt bestätig wurde. Dieser bekleidet dieses Amt seit der Gründung des Kreisverbandes. Auch in seinem Amt als Beisitzer im Bundesvorstand wurde Markus Walter am 05. Januar 2019 auf dem Bundesparteitag bestätigt. Hier umgibt er sich mit bundesweit und teilweise international vernetzten und seit etlichen Jahren aktiven Neonazi-Kadern. Neu dabei ist der düsseldorfer Neonazi Sven Skoda, der zuvor parteilos agierte und nun gemeinsam mit Sascha Krolzig die Doppelspitze der Partei DIE RECHTE auf Bundesebene stellt. Sven Skoda ist bereits als Redner im Rhein-Erft-Kreis zu Gast und ist einer von insgesamt 16 Angeklagten im Prozess gegen das „Aktionsbüro Mittelrhein“. Die Anklage lautet: Bildung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch, Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen.

Zum Abschluss des Jahres veranstaltete der Kreisverband am 28. Dezember 2018 einen Liederabend mit dem extrem rechten Liedermacher Philip Tschentscher, der unter dem Namen „Reichstrunkenbold“ auftritt. Mit seinem „Künstlernamen“ bezieht sich dieser auf Robert Ley, der Reichsleiter der NSDAP war und damit einer der führenden Politiker zur Zeit des Nationalsozialismus. Dieser wurde wegen seiner Alkoholsucht hinter seinem Rücken auch „Reichstrunkenbold“ genannt. Nach Angaben des Kreisverbandes haben viele „Kameraden, Freunde und Unterstützer“ an der Veranstaltung teilgenommen. Auf Fotos ist zu sehen, dass der Liedermacher vor einem Banner mit der Aufschrift „Rassismus tötet. Durch: Pogrome. Asylgesetz. Abschiebung. Geistige Brandstiftung.“ gespielt hat. Das Banner ist vermutlich einer antirassistischen Gruppe entwendet worden, wird hier als Trophäe der Öffentlichkeit präsentiert und der Schriftzug liest sich in diesem Kontext auf eine perfide Art wie eine Aufforderung.

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