Introduction

Bericht: Virale Unwahrheiten – Welche Gefahr geht von „Verschwörungstheorien“ aus?

Bericht: Virale Unwahrheiten – Welche Gefahr geht von „Verschwörungstheorien“ aus?

Von Cristina Psenner

„Verschwörungstheorie“- diesen Begriff haben wir in letzter Zeit häufiger zu Ohren bekommen. Vielleicht haben wir auch Freund*innen und Familie, die bei Gesprächen über Corona die Ansicht vertreten, die Pandemie sei eine inszenierte Sache. Schon vor einigen Monaten verbreiteten sich allerhand Theorien in sozialen Netzwerken. Die Rede war von Mikro Chips in Corona Impfungen, dem Strippenzieher Bill Gates und die Ausweitung des 5G Netzes als Ursache der Pandemie. Allerhand wilde Spekulationen amüsieren oft die, die nicht daran glauben. Doch diese harmlosen Gerüchte können schnell ausufern. In solchen Krisensituationen, wie wir sie gerade erleben, neigen wir oft dazu, Schuldige zu suchen. Und in nicht wenigen dieser Fälle verfallen wir dabei auch in alte Muster: Antisemitismus ist das Stichwort.

Um dieses Muster zu durchbrechen, bietet das Aktionsbündnis für Demokratiestärkung und Antirassismus (A.D.A), in Zusammenarbeit mit der Stadt Hürth, dem ASH-Sprungbrett e.V. und der Aktion „Demokratie leben!“ eine Woche lang online Workshops und Vorträge im Rahmen des Demokratieforums an. Das diesjährig vierte Demokratieforum konzentriert sich auf die Definition, Abgrenzung und Wirkung der sogenannten Verschwörungstheorien.

Programmpunkt 1

Im heuten Vortrag und unserem erstem Programmpunkt „Virale Unwahrheiten – Welche Gefahr geht von „Verschwörungstheorien“ aus?  entschlüsselte der Sozialphilosoph und Autor Dr. Jan Skudlarek für seine Zuhörer*innen die Mechanismen von Verschwörungstheorien anhand einiger Beispiele und Studien. Er ging dabei nicht nur darauf ein, was die Gefahr dieser Theorien ausmacht, sondern erklärt auch, wie sie sich zusammensetzen und woran man sie erkennt. Damit durchleuchtet er ihre ursprüngliche Komplexität und macht es einfacher, über sie zu diskutieren und mit ihnen umzugehen.

Die wichtigsten Punkte aus dem Vortrag zum Mitnehmen

Woran erkennt man Verschwörungstheorien?

  • Oftmals eine metaphorische Sprache
  • Feindbilder, die der Theorie vorausgehen und damit ein Vorurteil bilden
  • Anpassung aller Informationen an besagte Vorurteile (gegensätzlich zur wissenschaftlichen Vorgehensweise)
  • Eine konfrontativ, aggressive Haltung

Vorgehensweise der Theoretiker*innen:

  1. Die große Täuschung
  2. die Bedrohung
  3. Mächtige Hintermänner

Beleuchtung der Persönlichkeitsmerkmale von Verschwörungstheoretiker*innen:

  • Bedürfnis nach Einzigartigkeit
  • Bedürfnis etwas zu wissen, das andere nicht wissen
  • Kontrollbedürfnis nach selbstbestimmtem Leben

Warum sie so gefährlich sind

In seinem letzten Punkt erklärt Skudlarek auch, was das Verschwörungsdenken so gefährlich macht. Ihm zu Folge zeige gerade die Pandemie, dass eine Verschwörungstheorie, anders als eine Meinung, weitreichende Folgen haben kann. Verschwörungsgedanken von Corona Leugner*innen z.B. können in Zeiten von Pandemien Leben kosten
In seinem Vortrag spricht er außerdem an, dass durch die Vorurteile und Feindbilder oft Fremdenhass und ganze Feindesgruppen stigmatisiert werden. Ein Problem, das auch wir von der A.D.A. nicht selten beobachten.

Nicht zuletzt betont Skudlarek auch, dass Verschwörungstheoretiker*innen zwar eine Minderheit bilden, man ihre Reichweite aber nicht unterschätzen sollte. Attila Hildmann leitet einen Telegram-Kanal mit immerhin 70.000 Followern.
Genau mit diesem Blick freuen wir uns darüber, dass der Vortrag heute eine so große eine Plattform für viel Fragen und Diskussion zu dem Thema bot.

Weitere Veranstaltungen

Zu Beginn des Vortrages fielen ebenfalls wichtige Worte von Hürths Bürgermeister Dirk Breuer, der betonte, dass Teilnahme  die Hauptaktion entgegen dem Rassismus sei. Auch Landrat Michael Kreuzberg unterstreicht: „Demokratie ist nicht selbstverständlich (…) und bleibt nicht von selber gut sondern erfordert den Einsatz vieler. (…) Wir sind alle gefordert, mitzuwirken.

Mit diesem Schlusswort laden wir Sie herzlich ein, sich unter https://ada-rheinerft.de/online-demokratieforum/ für weitere Workshops und Seminare anzumelden. Die Vortragreihe schließt am 3. September mit einem Diskussionsabend bei dem verschiedene zivilgesellschaftliche Initiativen ihre Arbeit und Möglichkeiten zur Beteiligung/ zum eigenen Engagement vorstellen. Alle Anwesenden sind auch hier herzlich eingeladen, den Diskussionsabend zu besuchen und mit ihrer Meinung zu der Frage „Braucht der Rhein-Erft-Kreis einen Runden Tisch gegen Rassismus?“ zur Diskussion beizutragen.

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